Lab Visit: Oldenburger Doktorandin forscht am Amsterdam UMC

11.09.2025

Mit der „Joint Research Academy“ (JRA) verfügt Hearing4all über ein eigenes Förderprogramm für Nachwuchswissenschaftler*innen. Dazu zählt unter anderem auch die Unterstützung von Auslandsaufenthalten zur Erweiterung des fachlichen Horizonts und der Vernetzung innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft.

So ermöglichte die JRA zum Beispiel Kristin Sprenger, Doktorandin im Exzellenzcluster, einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in den Niederlanden. Von April bis Juni 2025 war sie in der „Ear and Hearing“ Research Group des Department of Otolaryngology am Amsterdam UMC tätig, unter der Leitung von Prof. Dr. Cas Smits. Im Interview erläutert Sprenger ihre Forschungsarbeit und berichtet von ihren Erfahrungen im Rahmen des „Lab Visit“.

Kristin Sprenger, bitte stellen Sie sich kurz vor!

Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin in der Medizinischen Physik an der Universität Oldenburg. In meiner Promotion mit dem Titel „Towards Data- and Model-Driven Standards of Hearing Aid Benefit Assessment“ beschäftige ich mich mit dem Vergleich von empirischen und modellbasierten Sprachtestergebnissen, insbesondere im Hinblick auf den Hörgeräte-Nutzen schwerhörender Personen. Mit meiner Forschung möchte ich daran mitwirken, Standards für die individuelle Anpassung und Funktionalität von Hörgeräten zu setzen. Mein Forschungsschwerpunkt gehört im Exzellenzcluster Hearing4all zum Research Thread II „IT-gestützte Diagnose und Rehabilitation“ und leistet einen Beitrag zur evidenzbasierten Entwicklung von Diagnose- und Rehabilitationsverfahren in der Audiologie.

Was hat Sie motiviert, sich für einen Lab Visit zu bewerben?

Ich hatte bereits viel Positives über Lab Visits während der Promotion gehört, was mich neugierig machte, eine andere Forschungsgruppe außerhalb der gewohnten universitären Umgebung kennenzulernen und neue Arbeitsweisen zu erleben. Deshalb habe ich recherchiert, welche Förderungsmöglichkeiten es gibt und wie eine Bewerbung möglich ist, und gezielt eine Gruppe gesucht, die thematisch zu meinen Interessen passt. Amsterdam als Stadt wie auch die Arbeit in einer klinischen Forschungsumgebung und das gemeinsame Interesse am Messen und Verstehen vom Sprachverstehen in geräuschbehafteten Umgebungen haben mich sofort angesprochen. Ziel meines Lab Visits war es, eine Studie aufzunehmen, die den Hörgeräte-Nutzen mit niederländischem Sprachmaterial und Proband*innen untersucht.

Welche Erfahrungen haben Sie in Amsterdam gemacht, sowohl beruflich als auch im alltäglichen Leben?

In Amsterdam habe ich sowohl beruflich als auch privat wertvolle Erfahrungen gesammelt. Im Alltag merkt man schnell, dass ein Fahrrad fast noch wichtiger ist als in Oldenburg, und dass Englisch völlig ausreicht, auch ohne Niederländisch zu sprechen. Beruflich war es besonders spannend, eine neue Arbeitsgruppe kennenzulernen und aktiv Teil davon zu sein. Ich konnte mit für mich neuen Messmethoden im Labor arbeiten, meine Englisch-Kommunikation im wissenschaftlichen Umfeld verbessern und viele Erfahrungen bei der Rekrutierung von Klinikpatient*innen für meine Studie sammeln. Darüber hinaus habe ich die niederländische Kultur, das Essen und die Stadt selbst kennengelernt und beim Networking mit Kolleg*innen wertvolle Kontakte und Einblicke gewonnen.

Wie geht es mit Ihrer Doktorarbeit weiter und welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Mit meiner Doktorarbeit möchte ich gerne im nächsten Jahr fertig werden. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun – unter anderem überarbeite ich aktuell weitere Artikel für die Einreichung und Veröffentlichung. Die in Amsterdam erhobenen Daten ergänzen und bereichern meine bisherige Forschung. Ich bin bereits dabei, sie auszuwerten, damit sie auch veröffentlicht werden können. Langfristig würde ich mir wünschen, weiterhin einen Beitrag zur Hörforschung zu leisten, insbesondere zur Weiterentwicklung von Hörgeräten.

Abb.: Kristin Sprenger und ihr Forschungsteam in Amsterdam (hintere Reihe, 5. Person von links). Foto: Ear and Hearing Research Group / Amsterdam UMC