Universität Oldenburg wird Mitglied im Netzwerk openEHR

08.07.2026

Offene Standards und Modelle für interoperable elektronische Gesundheitsdaten entwickeln und verbreiten, um diese für künftige Studien und die Verbesserung der Versorgung von Patienten und Patientinnen zu nutzen – das ist das Ziel der Nonprofit-Organisation openEHR (EHR = Electronic Health Records), deren institutionelles Mitglied die Universität Oldenburg nun wurde. Ansprechpartnerin ist Prof. Dr. Antje Wulff. Sie leitet die Abteilung „Big Data in der Medizin“ des Departments für Versorgungsforschung.

Pascal Biermann, Mitarbeiter in der Abteilung, ist bereits seit Frühjahr Mitglied des internationalen Software Program Board und gestaltet hier aktiv die Software-Spezifikationen des Standards mit. Wulff ist auch eine leitende Forscherin im Exzellenzcluster „Hearing4all.connects“ und arbeitet für den Cluster gemeinsam mit Ihrem Team am Aufbau eines „Open Data Space for Audiology“.

Wie Dr. Lena Schell-Majoor, Postdoktorandin im Exzellenzcluster, berichtet, fehlt es in der Hörforschung derzeit noch an großen Datensätzen, die ein möglichst breites Spektrum an Hörstörungen abbilden. Das liegt etwa daran, dass Forschende audiologische Daten oft im Rahmen von Studien erheben, an denen nur ein kleiner, nicht repräsentativer Teil der Bevölkerung teilnimmt. „Größere, diversere Datensätze sind in Zukunft unabdingbar, um die Entwicklung datengetriebener Lösungen für die Diagnose und Versorgung voranzubringen“, erläutert Schell-Majoor. Grundlage für künftige Studien sollen daher interoperable und global verfügbare Daten aus verschiedenen Studien und Quellen sein.

Um solche Daten bereitzustellen und institutionsübergreifend auszutauschen, bedarf es zunächst klarer und gemeinsamer semantischer Standards. Diese werden von den Mitgliedern des openEHR-Netzwerks gemeinsam erarbeitet und weiterentwickelt. „Die technischen und fachlichen Rückmeldungen aus der Community sind für die Qualität entsprechender Modelle und deren Akzeptanz essentiell“, sagt Schell-Majoor.

Dies sei auch beim ersten von Mitgliedern von Hearing4all.connects entwickelten openEHR-Archetypen mit dem Titel „Categorical Loudness Scaling“ (Kategoriale Lautheitsskalierung) entscheidend gewesen. Dieser ist das erste standardisierte Datenmodell für einen audiologischen Test in der openEHR-Struktur und bildet die Grundlage für eine verbesserte Dokumentation, Interoperabilität und Datenwiederverwendung. OpenEHR-Archetypen wie dieser beschreiben klinische Konzepte auf strukturierte Weise und umfassen möglichst alle relevanten Daten und Metadaten, die für Forschung und klinische Anwendung erforderlich sein können.

Indem die Universität institutionelles Mitglied im openEHR-Netzwerk wird, fördert sie die Vernetzung und den Austausch in der openEHR Community. Damit stärkt die Universität künftig die Entwicklung und internationale Veröffentlichung von openEHR-Modellen, wie sie nicht zuletzt von den Forschenden von Hearing4all.connects erarbeitet werden. Gleichzeitig profitiert sie durch den Zugriff auf Wissen und Erfahrung im Netzwerk sowohl im Hinblick auf ihre eigene Forschung als auch perspektivisch im Hinblick auf eine noch bessere klinische Versorgung in der Universitätsmedizin.