Forschungsprojekte beleuchten KiTa-Alltag von Kindern mit Hörhilfen und Talkern

06.08.2026

Wie können Kinder mit und ohne Hörbeeinträchtigungen von Beginn an gleichberechtigt miteinander kommunizieren, spielen und lernen? Diese Frage steht im Zentrum zweier neuer Forschungsprojekte von Prof. Dr. Ulla Licandro. Sie ist Hochschullehrerin für Heterogenität und Diversität unter besonderer Berücksichtigung inklusiver Bildungsprozesse am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg und Mitglied des Exzellenzclusters Hearing4all.connects.

Im Zentrum des Projekts „KOMMIT-talk: Kommunikation unter Peers im KiTa-Alltag – Partizipationsmuster von Kindern mit Hörhilfen und Talkern“ steht die Frage, wie Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen im letzten Kindergartenjahr gemeinsame Spiel- und Alltagssituationen gestalten. Licandro leitet das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Imke Niediek vom Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben für drei Jahre mit rund 565.000 Euro.

Die Forschenden untersuchen, wie gemeinsame Spielideen entstehen, welche Kinder in Interaktionen einbezogen werden oder welche Strategien ihnen dabei helfen, Kommunikationsbarrieren zu überwinden. Während die Forschenden an der Universität Hannover Kinder mit elektronischen Kommunikationshilfen, den sogenannten Talkern, in den Mittelpunkt stellen, richtet das Oldenburger Team seinen Fokus auf Kinder mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten. Von diesem Vergleich erwarten die Forschenden neue Erkenntnisse darüber, wie unterschiedliche Hör- und Kommunikationstechnologien das soziale Miteinander und die Teilhabe beeinflussen. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, herauszufinden, wie Inklusion im Kita-Alltag gelingt. Damit rücken die Forschenden die frühe Kindheit als bislang wenig erforschten Lebensabschnitt in der Hörforschung stärker in den Fokus.

Die beiden Standorte ergänzen sich dabei auch methodisch: Die hannoversche Seite bringt ihre Expertise in der qualitativen Analyse von Interaktionen und deren Ablauf ein, die Oldenburger Forschenden ihr Wissen in der quantitativen Analyse komplexer Kommunikations- und Partizipationsmuster. Gemeinsam entstehen so wissenschaftliche Grundlagen, um inklusive Bildungssettings evidenzbasiert weiterzuentwickeln.

In einem weiteren Projekt mit dem Titel „DiLeKo – Dialogisches Lesen für alle“ will Licandro gemeinsam mit der Oldenburger Sonderpädagogin Prof. Dr. Annett Thiele ein praxisnahes Fortbildungsprogramm für frühpädagogische Fachkräfte entwickeln. Die Wissenschaftlerinnen beschäftigt die Frage, welche Kinder mit Behinderungen – unter anderem mit Hörbeeinträchtigungen – durch dialogisches Lesen in analogen und digitalen Formaten gezielt unterstützt werden können. DiLeKo wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend über drei Jahre mit insgesamt rund 444.000 Euro gefördert. Gemeinsam mit Kindertageseinrichtungen wollen die Forschenden Fortbildungsmodule entwickeln, erproben und evaluieren. Anschließend werden sie die Materialien als frei verfügbare Open Educational Resources veröffentlichen, sodass diese bundesweit in der frühpädagogischen Praxis genutzt werden können.