RA 4: Technologie für die Hörgesundheit
Die Behandlung von Hörverlust kann das Risiko für kognitiven Verfall und Demenz verringern, aber auch regelmäßige soziale Interaktion und ein aktiver, gesunder Lebensstil sind entscheidend. Multisensor-Signale, die vom Ohr abgeleitet werden, könnten Menschen dabei helfen, ihre Gesundheit zu überwachen und zu verbessern. Die ersten am Ohr getragenen Multisensor-Wearables sind auf dem Verbrauchermarkt erhältlich, haben jedoch ihr volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Es bleiben Fragen zur Signalqualität, zu den Vorteilen der Sensorfusion und zu Validierungsstrategien offen. Durch die Integration unseres Know-hows im Bereich Hörgeräte mit zusätzlichen Sensoren, wie z. B. inertialen Messeinheiten, Geräten zur Erfassung von Biopotenzialen und mit KI integrierten Fotosensoren, entwickeln die Technologie weiter, um digitale Biomarker für die Hörgesundheit zu etablieren. Unsere Vision ist es, dass die Rückmeldung zu individuellen Längsschnittverläufen relevanter Leistungsmarker den Menschen dabei helfen kann, proaktive, präventive Änderungen ihres Lebensstils vorzunehmen. Um dies zu erreichen, muss die Technologie über die derzeitigen kommerziellen Hörgeräte hinausgehen, die in erster Linie Hörunterstützung mit grundlegender Aktivitätserfassung wie Schrittzählung kombinieren. Zu den veränderbaren Risikofaktoren, die zu Demenz beitragen, gehören unbehandelter Hörverlust, soziale Isolation, Depressionen und körperliche Inaktivität. Beispielsweise kann eine mit zunehmendem Alter abnehmende Gehgeschwindigkeit Jahre vor dem Auftreten von Symptomen einen kognitiven Verfall und Demenz vorhersagen. Später sind Orientierungsprobleme, Schwierigkeiten beim Multitasking und Gedächtnislücken frühe Anzeichen für einen Verfall. Zwar gibt es keine Heilung für Alzheimer und verwandte Demenzerkrankungen, doch kann ein gesunder Lebensstil das Auftreten der Krankheit verzögern und ihr Fortschreiten verlangsamen oder sogar aufhalten. Wir stellen uns eine Hörgesundheitstechnologie vor, die es Menschen ermöglicht, ihre Leistungsfähigkeit bei Aufgaben mit Vorhersagekraft langfristig zu überwachen. Das Feedback an die Betroffenen soll ihnen helfen, datengestützte, fundierte Entscheidungen zu treffen, bevor erste kognitive Symptome auftreten. Dieselbe Technologie kann in späteren Stadien als Hilfsmittel dienen. Unser Ziel, die Prodromalphase zu verlängern, steht im Einklang mit dem von der WHO vorgeschlagenen umfassenderen Konzept der Gehirngesundheit.


Prof. Dr. Stefan Debener
Neuropsychologie










